Swiss Surgical Teams, Mongolei 2013

Beat Kehrer, Dr. med. Teamleader SST Mongolei

Der im Jahresbericht 2012 beschriebene wirtschaftliche Boom hat seither besonders in der Hauptstadt Ulaanbaator weiter zugenommen, dies trotz Differenzen mit ausländischen Investoren und Bergbaugesellschaften. Es herrscht eine "Goldgräberstimmung" mit allen dazu gehörenden problematischen Konsequenzen und Begleiterscheinungen!

Ganz anders präsentiert sich die Situation draussen in der unendlichen Weite der Steppen. Die Nomaden führen weiterhin ein karges Dasein unter schwierigen Bedingungen. In den kleinen verstreuten Dörfern und Bezirkshauptorten gibt es nur geringfügige Verbesserungen und grosse Teile der Bevölkerung leiden immer noch unter grosser Armut.

Unsere seit gut zwei Jahren verfolgte Politik Aktivitäten gezielt auf Gebiete zu beschränken wo noch akuter Bedarf besteht hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. So verzichten wir weiterhin auf Lieferung von Medikamenten und medizinischem Material. Die Mongolische Regierung verfügt inzwischen über genügend Finanzen um notwendige Anschaffungen selbst zu tätigen.

Auch 2013 war unser Hauptanliegen die Weiter- und Fortbildung an Orten wo wir wissen dass noch entscheidende Fortschritte erzielt werden können. Dies galt besonders für das Team das unter der Leitung von Dr. André Rotzer im Zentrum und im Nordwesten des Landes draussen in der Steppe in Ulaangom und Uliastai tätig war und an beiden Orten in den Spitälern begeistert empfangen wurde.

 

Ankunft unseres Teams in Uliastai
 

In Ulaanbaatar haben seit vielen Jahren unsere Spezialärzte des SST u.a. Patienten mit ihren Mongolischen Kollegen besprochen, beurteilt und bei fachspezifischen Operationen assistiert sowie Weiter- und Fortbildungen durchgeführt:

Spital Nr 1: - Dr. Georg Wille: Chirurgie der Schilddrüse, - Dr. Thomas Böhlen: Therapie bei chronischen Schmerzzuständen, - Dr. Jürg Bärtschi: Kurs zur Organisation der Operations-abteilung. Die Leiterin der Anästhesie und der leitende Chirurg wurden im Rahmen dieses Projektes in mehrere grosse Schweizer Spitälern zu einen Besuch der Operations-abteilungen eingeladen. - Dank einer Einladung der Schweizerischen Gesellschaft für Chirugie (SGC) konnten Frau Prof. Sergelen und Prof. Ganbold am Jubiläumskongress der SGC in Bern teilnehmen. Sie haben ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit dem SST einem grossen Publikum vorgestellt.

Prof. Sergelen

National Cancer Center: - Prof. Michel Gillet: Chirurgie der Leber, Gallenwege und Pancreas - Dr. Jean-Patrice Gardaz: Anästhesie - Dr. Edward Wight: Tumorchirurgie im weiblichen Genitaltrakt, - Prof. Sandro Stöckli; Tumoren im Hals- und Kopfbereich.
Die langjährige Zusammenarbeit mit dem NCC war erneut ausserordentlich erfolgreich.

Im Frauen- und Kinderspital werden pro Jahr mehr als 10´000 Kinder geboren. - Dr. Gero Drack war in der Geburtshilfe seit 2004 für die Weiterbildung von Ärzten und Ärztinnen verantwortlich. Seit 2012 wird er von - Frau Astrid Herzog in der Aus- und Weiterbildung der Hebammen unterstützt. - In einem feierlichen Akt wurde am 29. Juni 2013 das von der *Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit *(DEZA) finanzierte und von Spezialisten im SST implementierte Telemedizin-Netzwerk (MonTelNet) dem Gesundheitsministerium der Mongolei übergeben.

Übergabe der Schenkungsurkunde an den Stellvertretenden Gesundheitsminister der Mongolei

Über das Internet verbindet das MonTelNet alle Spitäler der Mongolei miteinander. Eine im Auftrag des SST entwickelte spezielle Software ermöglicht unter anderem den Austausch von Wissen, (life)Fachdiskussionen, Weiter- und Fortbildungen, Beurteilung von Befunden mit den zuständigen Fachärzten in Ulaanbaatar, aber auch mit internationalen Spezialisten. Das Netzwerk wurde beispielsweise vom United Nations Population Fund (UNFPA) und dem Millenium Challenge Account (MCA-USA) mit grossem Erfolg für ein landesweites Screening aller Frauen zur Frühdiagnostik von Gebärmutterhalskrebs eingesetzt.

Dank finanzieller und logistischer Unterstützung der Eidgenössischen Stipendienkommission für ausländische Studierende (ESKAS)konnten wir seit 2001 insgesamt 33 junge, lernbegierige Ärzte und Ärztinnen für je einen 6-monatigen Aufenthalt in die Schweiz einladen. Diese Stipendiaten und Stipendiatinnen werden durch uns in der Mongolei vor Ort selektioniert. Sie arbeiten in der Schweiz wenn irgend möglich mit den Ärzten und Ärztinnen die ihnen aus der persönlichen Zusammenarbeit in der Mongolei bestens bekannt und vertraut sind, z.B. - 2012/2013 in den Universitätsspitälern Basel und Lausanne sowie dem Kantonsspital Winterthur, - 2013/2014 in den Kantonsspitälern St. Gallen, Glarus und Luzern.


Eine dieser Stipendiatinnen - Dr. Batsukh Demberelnyambuu - wurde 2013 vom Präsidenten der Mongolei zur "jungen Ärztin des Jahres 2013" ernannt.

Für das Jahr 2014 ist im Mai-Juni ein weiterer, stark reduzierter Einsatz in Ulaanbaatar und mit einem Team in sog. Aimagspital in Arvaikhee vorgesehen.