Jahresbericht Swiss Surgical Teams 2016

Dr. med. André Rotzer, Präsident Swiss Surgical Teams seit dem 3. Dezember 2016

Das Jahr 2016 ist für die Swiss Surgical Teams bezüglich Einsätze wiederum ein erfolgreiches Jahr. Leider zeichnet sich ein Rückgang der Spenden ab, so dass der Vorstand gefordert ist, zur Finanzierung der Projekte Stellung zu beziehen. In mehreren Sitzungen wird heftig diskutiert. Diese Diskussionen führen in der Folge zu Rücktritten im Vorstand. Dies beeinflusst aber den Erfolg der Einsätze nicht und es können wieder einige Erfolge ausgewiesen werden.

Der Vorstand der SST setzt sich 2016 wie folgt zusammen:

Peter Nussbaumer, Präsident bis 30.8.16 Projektleitung Nigeria
Jürg Bärtschi, Vize-Präsident Projektleitung Tadschikistan, Anästhesie
Thomas Böhlen Teaching
Gero Drack Gynäkologie / Geburtsthilfe
André Rotzer  SGC Kandidaten
Ralph Schmid Delegierter JAS
Martin Steppacher PR / Marketing
Martin Walliser Projektleiter Südpazifik
Jörg Wydler Projektleiter Afrika und Tansania

 

Im Dezember 2015 wird das Materiallager im Kantonsspital Glarus aufgeräumt und die Paletten für die Transporte bereitgestellt. Vielen Dank an die 15 Helfer, die einen ganzen Tag hart gearbeitet haben.

Der Vorstand der SST trifft sich seit der letzten MV im Dezember 2015 für 5 Sitzungen. Themenschwerpunkte dabei sind PR, Marketing, Homepage, Stipendiaten, Projektpläne für die 4 Projekte Nigeria, Tansania, Tadschikistan, Salomonen, Finanzierung der Projekte, Neuwahlen des Vorstandes nach Ablauf der dreijährigen Amtszeit im Dezember 2016. Die grössten Anforderungen resultieren aus der Diskussion über die Finanzierung der Projekte. Neu angefragte Stiftungen geben abschlägige Bescheide, zudem zeigt sich ein massiver Rückgang der Spendengelder. Modellrechnungen ergeben, dass die Finanzierbarkeit der Projekte bei gleichbleibendem Spendeneingang bis in 3 Jahren nicht mehr gegeben sein wird

Projekt Tadschikistan

Kontakte zu lokalen Partnern:

Mehrere Treffen der Projektleiter mit den obersten Führungsebenen des Gesundheitsministeriums (MoHSP), inklusive Gesundheitsminister, führen schlussendlich zum Abschluss eines 5-Jahresvertrags zur Kooperation (v.a. Regelung der Visaerleichterung, Berufsausübungsbewilligung, Haftpflichtversicherung, regelmässige Treffen und Vorschlag von Massnahmen zur landesweiten Umsetzung). Zudem werden Kontakte zu Verantwortlichen des Institute of Postgraduate Training und zum Institut für die Ausbildung der OP-Pflege aufgebaut. Eine sehr gute Kooperation und ein rascher Zugang zu Entscheidungsträgern werden erreicht. Des Weiteren kann bereits eine sehr fruchtbare Vertrauensbasis geschaffen werden. Es besteht eine Anfrage des MoHSP für Verbesserungsvorschläge an die SST auf landesweiter Ebene (Hygiene, Sicherheit, Ausbildung usw.). Ein Massnahmenkatalog mit kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen wurde bereits überreicht (v.a. Hygiene, Medikamente, Monitoring, Verhaltensregeln usw.). Die landesweite Versorgung mit Sauerstoff hatte hohe Priorität: in vielen Spitälern ist daraus resultierend jetzt Sauerstoff vorhanden (vorher nur in 15% der Spitäler verfügbar). Das Problembewusstsein steigt massiv; in einigen Instituten werden Operationen nur noch bei Verfügbarkeit von Sauerstoff durchgeführt

Fünf Teilprojekte in Tadschikistan:

In Dangara mit einer modernen Infrastruktur werden in Workshops vor allem laparoskopische Trainings durchgeführt. Im Republican Oncological Center in Dushanbe ist unsere gynäkologische Onkologie, sowie die Thoraxchirurgie und Schmerztherapie beheimatet. In Dushanbe wird zudem ein Anästhesieworkshop durchgeführt. Im First City Hospital in Dushanbe wird die Schilddrüsenchirurgie instruiert. In Khorog, im Pamir, finden in einem peripheren Spital in den Bereichen Chirurgie, Anästhesie, Urologie, Gynäkologie, Radiologie und OP-Pflege Teachings statt. Im Herbst 2016 haben Medizinaltechniker an den verschiedenen Einsatzorten sehr erfolgreich die Teams unterstützt.

In Tadschikistan finden 2 Einsätze pro Jahr statt mit insgesamt ca. 50 Personen.

Projekt Tansania

Auch hier werden 2 Einsätze geleistet. Die Gynäkologie zeigt ein breit aufgestelltes, gutes Projekt mit gutem Hebammenteaching. Chirurgisch sind Fortschritte in der Behandlung von Hernien zu verzeichnen. Das Ziel des Einsatzes ist v.a. die Weiterbildung der vor Ort anwesenden tansanischen Chirurgie-Partner – in unserem Fall Dr. Komba – in Bezug auf technische und theoretische Chirurgie-Kenntnisse. In Anbetracht der zu langen Abwesenheit Dr. Kombas zu Beginn der Mission sind diese Ziele während unseres Einsatzes leider nur ungenügend erreicht worden. Es ist aber auch eine bessere Struktur nötig. Es ist schwierig, wenn nur ein Arzt lokal vorhanden ist. Das Projekt Chirurgie ist in dieser Form und mit diesen Strukturen im Spital nicht sinnvoll und nachhaltig.

Hingegen ist das Projekt Gynäkologie/Geburtshilfe sehr erfolgreich. Bei 6.500 Geburten pro Jahr im Kitete Referral Hospital gibt es im Gebärsaal immer genug zu tun – und auch bei diesem Einsatz müssen wir wieder feststellen, dass für den grossen Arbeitsaufwand nur sehr wenig Personal vor Ort ist. Dies beginnt bereits bei den Ärzten, denn derzeit gibt es nur einen Arzt, der jedoch keinen Facharzttitel in Gynäkologie besitzt. Da er aber die einzige Person mit einem Arztdiplom ist, firmiert er als Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe. Daneben arbeiten fünf Assistant Medical Officer, die neben der Pflegeausbildung eine Weiterbildung abgeschlossen haben und im Alltag alle ärztlichen Aufgaben übernehmen. Sie haben teilweise viele Jahre praktische Erfahrung, die theoretischen Kenntnisse sind jedoch sehr unterschiedlich. Da sie den Ärzten praktisch gleichgestellt sind, bilden wir auch sie genauso aus, wie den Arzt in der Abteilung. Auch unter den Pflegefachleuten gibt es beträchtliche Schwankungen punkto Fachwissen und Erfahrung und pro Schicht sind sie oft für viele gebärende Frauen gleichzeitig zuständig. Beim letzten Einsatz im März 2016 zeigt sich ein grosser Bedarf in der Neugeborenen-Erstversorgung nach Geburt, so dass in der Folge eine Neonatologie-Pflegefachfrau der Universitäts-Kinderklinik beider Basel für diese wichtige Aufgabe das Einsatzteam verstärkt. Von gynäkologischer Seite finden auch diesmal zahlreiche Sprechstunden statt Die zahlreichen teilweise ausgedehnten operativen Eingriffe werden alle als Teaching-Operationen zusammen mit dem einheimischen Arzt und/oder den Assistant Medical Officern durchgeführt.

Projekt Nigeria

Es werden insgesamt 2 Einsätze durchgeführt. Der Einsatz im Herbst ist gut, das Team ist zusammen mit den OP-Pflegern eingespielt. Dreiviertel der Hernien werden durch lokale Personen operiert. Der gespendete neue Generator läuft seit 2014 einwandfrei. Leider steht im Moment kein Arzt für eine Ausbildung zur Verfügung, was nicht das Ziel der SST ist.

Dieses Projekt hat im Vorstand zu grossen Diskussionen geführt, da ein Endpoint des Projektes fehlt und zudem grosse Budgetdiskussionen entstanden. Eine Neubeurteilung des Projektes durch den Vorstand tut not und es muss ernstlich geprüft werden, dieses Projekt weiterzuführen.

Projekt Südpazifik

Für die südpazifischen Inselstaaten besteht seit einigen Jahren ein Weiterbildungskonzept zur Ausbildung orthopädisch-traumatologischer Fachärzte. Die Pacific Islands Orthopaedic Association (PIOA) organisiert 5-6 Weiterbildungsmodule pro Jahr. Die Teilnehmer, aus 8 südpazifischen Inselstaaten, treffen sich für ein jeweils zehntägiges Modul in einem der Inselstaaten. Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Kandidaten einen auch von der AOA (Australian Orthopaedic Association) anerkannten Fähigkeitsausweis. Die Swiss Surgical Teams wurden von Hermann Oberli, langjähriger Chefarzt auf den Solomon Islands und Mitbegründer der PIOA, angefragt, die Weiterbildungsmodule fachlich zu unterstützen. Der Hauptfokus liegt einerseits in der Betreuung und Instruktion einer Unfall Datenbank, die mittlerweile in allen beteiligten Pazifik-Staaten etabliert ist, andererseits in der klinischen und operativen Ausbildung der Unfallchirurgen.

Insgesamt dauerte der Einsatz 2016 in Honiara auf den Solomon Islands 4 Wochen. Im Anschluss an das PIOA Modul wurde im Central Hospital Honiara die Ausbildung fokussiert auf konservative und operative Frakturbehandlung weitergeführt. Der Einsatz des SIGN-Nagelsystems aber auch Revisionseingriffe bei Fraktur-Pseudarthrosen oder verspätet behandelter Frakturen sowie die Behandlung von komplexen Frakturen (Acetabulum, proximale Femurfrakturen) standen im Zentrum – und dies in einem spital- und führungspolitisch nicht einfachen Umfeld.

Dieser Einsatz trug wesentlich zur Erreichung gesetzter „Milestones“ bei, was zur Sicherung der weiterführenden finanziellen Unterstützung des PIOA Projektes über die nächsten 5 Jahre durch die AO Foundation führte.

2017 wird der nächste 4 wöchige Einsatz in Apia in Samoa stattfinden (PIOA Datenbankprojekt und klinische Tätigkeit), die beiden Teammitglieder des SST werden im Anschluss zwei Spitäler im Norden Papua Neuguineas (Kokopo und Kavieng) besuchen.