SST Einsatz PIOA Ausbildungsmodul Apia, Samoa
und Kokopo / Kavieng, Papua Neu Guinea Juni-Juli 2017

Dr. med. Martin Walliser, KSGL
Dr. med Philipp Stillhard (KSGR)

Der Einsatz am Ausbildungsmodul in Samoa wurde ein halbes Jahr im Voraus definitiv geplant. Unsere Aufgabe sollte die Einführung der neuen PIOA Datenbank sein sowie die klinische Ausbildung während des Moduls. Im Anschluss an das Modul wurde der Besuch von zwei Spitälern in PNG geplant bei zwei PIOA Trainees.

Modul Infection und IT in Samoa: Das Modul findet im Spital in Apia statt. Ein relativ neues, von den Chinesen erbautes Spital, das seit ca 5 Jahren fertiggestellt und im Einsatz ist. Grosszügig, sehr sauber und für südpazifische Verhältnisse mit einer sehr guten Infrastruktur ausgestattet. Die mittlerweilen 12 Teilnehmer des Moduls sind in der zweiten Woche am IT Modul. Am Morgen klinische Visite, Fallbesprechungen und allgemein orthopädisch-traumatologische Vorträge. Am Nachmittag folgen Informatikkurs mit Grundlagen zu Datenbank, Datenmanagement und SQL Anwendung. Die neu programmierte Version der PIOA Datenbank wird eingeführt und geschult. Anhand von einer Beispieldatenbank werden Themen wie Auswertungen und spezifische Fragestelllungen mit SQL Querries bearbeitet. Das System läuft auf allen Laptops stabil.

Am Ende des Moduls wird Stephen Kodovaru aus Honiara, Solomon Islands, als erster Trainee, welcher das gesamte Programm und die Abschlussprüfung erfolgreich absolviert hat, diplomiert.

Ein schöner Moment nach dem Start des PIOA Programmes im Jahr 2012 in Honiara. Die meisten Trainees werden für das Programm 4-5 Jahre benötigen und hart arbeiten müssen.

Papua Neuguinea: Der zweite Teil unseres Einsatzes hat zum Ziel, zwei Spitäler in PNG bezüglich eines zukünftigen Einsatzes zu evaluieren. Die Ausbildung direkt vor Ort als Visiting Supervisors soll vor allem die praktische Tätigkeit mit den zur Verfügung stehenden Mitteln im Fokus haben. Einsätze von mindestens 2-3 Wochen oder länger in einem Spital wären ideal. Es müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, um einen solchen Einsatz zu planen. Hierzu gehören ganz basale Grundlagen wie eine funktionierende Sterilisation, minimale Osteosynthesemöglichkeiten, Bildgebung – idealerweise auch intraoperativ, Operationskapazität mit Anästhesie und eine gute Akzeptanz beim lokalen Personal und den Ärzten.

 

Vunapope Hospital Kokopo, New Britain Island: Felix Diaku, Chefarzt und Consultant, PIOA Trainee, geplanter PIOA Abschluss 2018 / 2019. Das Team ist klein (2 Consultants, 4 Residents). Geplanter Besuch von einer Woche: Sehr sauberes und gut geführtes Spital mit angeschlossener Schwesternschule. Der Bau stammt noch aus den Zeiten der deutschen Missionare, ist aber gut unterhalten. Der klinische Ablauf ist strukturiert mit Übergaberapport, Visiten und klaren Zuständigkeiten. Es können 2 OPs betrieben werden (kleiner und grosser Saal), die Anästhesie wird durch Clinical Nurses sichergestellt, diese machen Regionalanästhesien sowie Vollnarkosen – viel mit Ketamin und Sedation, Intubationen unter Relaxation und Beatmung sind ebenfalls möglich.

Osteosynthesen: Material, Implantate bis zu einem gewissen Grad vorhanden, in letzter Zeit Bestellungen indirekt über PIOA (UMA Medical, Mumbai Indien) möglich. Um komfortabel einfache Osteosynthesen ausführen zu können, sind sicher noch ein paar Anschaffungen nötig. Die Bedürfnisse wurden besprochen und festgehalten. Leider ist keine intraoperative Bildgebung möglich. Normale Röntgenbilder leider (während unserer Anwesenheit) ebenfalls nur eingeschränkt. Offenbar gibt es gelegentlich Ausfälle, dann werden die Patienten zur Röntgendiagnostik nach Rabaul gefahren (ein Weg ca 50 Minuten Fahrt mit der Ambulanz).

Kavieng Hospital, New Ireland: PIOA Programmteilnehmer Thomas Kiele arbeitet mit einer Kollegin zusammen als Resident, dazu ein Consultant, der den gesamten Hintergrunddienst abdeckt. Der Bau hat schon einige Jahrzehnte, ist aber noch in einem sehr guten und unterhaltenen Zustand. Seit etwas über einem Jahr ist der neue OP Trakt in Betrieb: chinesische Bauweise, trotzdem macht es einen brauchbaren Eindruck. Leider wurde auch hier eine zentrale Air-Condition gebaut. Diese kann durch das lokale Personal nicht vernünftig gewartet werden. Seit Wochen konnte nur zeitweise operiert werden, während unserer Anwesenheit kann für mehrere Tage einer von zwei Säälen betrieben werden. Anästhesie- und OP Personal haben wie meist in PNG eine gute Pflegegrundausbildung mit Spezialisierung und sind sehr motiviert. Sterilisation und Hygiene scheinen gut zu funktionieren.

Osteosynthesen: Intraoperative Bildgebung ist auch hier nicht möglich, die Voraussetzungen bezüglich normalen Röntgenbildern sind aber sehr gut, ausgezeichnete Qualität (digitale Bilder werden noch auf Filme gedruckt, sind aber als digitale Daten erhältlich). An Instrumenten und Implanaten scheint hier das Spektrum etwas grösser zu sein als in Kokopo. Aber auch hier sind noch Erweiterungen notwendig, um ein komfortables Operieren zu gewährleisten. Bedürfnisse werden besprochen und aufgenommen. Die Materialbeschaffung wird in der nächsten Zeit zumindest teilweise über UMA Medical (Mumbai, Indien) laufen. Die Bestellungen werden direkt von  den Ärzten entweder direkt in Indien oder koordiniert über Des Soares (Programmleiter PIOA, Brisbane Australien) getätigt.

Sicher sind beide besuchten Spitäler für einen Ausbildungs-Einsatz im Traumabereich geeignet. Das Entgegenkommen und die Akzeptanz der lokalen Ärzte ist ausgezeichnet und personell wird es voraussichtlich keine stärkeren Veränderungen geben in den nächsten Jahren. Ebenfalls kann damit gerechnet werden, dass an beiden Orten eine relativ angenehme und sichere Wohnmöglichkeit zu akzeptablen Konditionen besteht.

Pläne für PIOA und schweizerische PIOA Mitglieder: Wir werden versuchen, in den beiden Traumamodulen vermehrt präsent zu sein. Sicher macht es Sinn, vor einem effektiven Supervisions- Besuch die einzelnen Spitäler zu visitieren und zu beurteilen. Insbesondere in PNG ist dies wichtig, damit ein mehrwöchiger Einsatz vor Ort auch für ausländische Chirurgen zumutbar ist und etwas erreicht werden kann. Die Daten für die nächsten Module werden bis im September herausgegeben, wir werden dann abhängig von Zeitpunkt und Ort weiter planen. Falls wir interessierte und erfahrene Traumachirurgen rekrutieren können, wäre in den nächsten Jahren geplant, das Team aufzustocken und sicher die Arbeit anlässlich der PIOA Ausbildungsmodule und die Operationseinsätze anfänglich als Zweierteams zu führen.