Einsatzbericht Swiss Surgical Teams (SST) 2017

Die Swiss Surgical Teams (SST) rekrutieren sich aus Ärztinnen und Ärzten mit langjähriger praktischer Erfahrung in ihren Fachgebieten (operative Medizin, Anästhesie, verschiedene Spezialdisziplinen), sowie aus Operationspersonal und weiteren Spezialisten (Medizintechniker, Informatiker), die sich zu mehrjähriger, unentgeltlicher Mitarbeit an Projekten der medizinischen Entwicklungshilfe verpflichten. Entsprechend den Leitsätzen der SST sollen die Projekte nachhaltig sein unter Berücksichtigung lokaler Begebenheiten und Bedürfnisse und in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und akademischen Institutionen. Zentral sind die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal vor Ort im Rahmen mehrjähriger und möglichst zwei Mal im Jahr stattfindender Missionen. Aufgrund der Kooperation mit der Eidgenössischen Stipendienkommission für ausländische Studierende (ESKAS) können fachspezifische Weiterbildungen und Forschungsaufenthalte in der Schweiz für junge, motivierte Ärztinnen und Ärzte, realisiert werden. Die Tätigkeiten der SST werden mit Spendengeldern zugunsten der Jürg Ammann Stiftung finanziert.

Projekt Tajikistan: (Dushanbe, Dangara, Khorugh)
Seit 2015 werden zwei Mal pro Jahr SST-Missionen an drei Orten in diesem zentralasiatischen Land durchgeführt. Von Anfang an bestand eine sehr gute, vertraglich abgesicherte Zusammenarbeit und Unterstützung der Projekte seitens des Gesundheitsministers und seiner Mitarbeiter. Dies gilt besonders für die Etablierung einer flächendeckenden Verwendung von Sauerstoff bei der Narkose und für die Durchsetzung hygienischer Massnahmen im Operationssaal. Nach dem Zusammenbruch der UDSSR wurde das sowjetisch geprägte Gesundheitswesen durch den Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1997 zusätzlich beeinträchtigt. Aufgrund der finanziellen Lage des Landes unterblieben wichtige Investitionen in die Infrastruktur des Gesundheitswesens. Die totalen Pro-Kopf-Ausgaben (2013) für die Gesundheit sind niedrig (170 US-Dollar pro Jahr), davon leistet der Staat 30%, Private 60% und diverse Institutionen 10%. Besonders kritisch anzusehen sind die sogenannten «informal payments» von Privaten an die Leistungserbringer (Ärzte, Pflegende).

In der Hauptstadt Dushanbe arbeiteten Mitglieder der SST Im April und Oktober 2017 während je 2 Wochen in vier Spitälern, dem Zentralspital (Karabolo), dem nationalen «Cancer Center», dem Universitätsspital («first hospital») und dem Spital für Lungenkrankheiten (Machiton). Im ersteren lag das Schwergewicht der SST-Mission auf dem Gebiet der Kinderchirurgie, der Kinderanästhesie und der Hygiene im Operationssaal. Im Cancer Center erfolgte das Teaching betreffend Diagnostik und operativer Behandlung in den Bereichen Thoraxchirurgie (besonders diagnostische Thorakoskopie), gynäkologische Onkologie (gynäkologische Tumoren, Mammakarzinom), Viszeralchirurgie (Magen- und Kolonkarzinome), Schmerztherapie und Erwachsenen-Anästhesie.

In den beiden übrigen Spitälern wurde Schilddrüsenchirurgie und Thoraxchirurgie demonstriert respektive supervidiert. Seitens der SST-Mitglieder wurden verschiedene Weiterbildungsveranstaltungen vor Ort (Hygiene, Nahtkurs, Transfusionsmedizin, Reanimation, praktische Übungen am Thorakoskopie-Phantom, adjuvante Mammakarzinombehandlung, interdisziplinäre Tumorbehandlung und Tumorboard) und auswärts (Vortrag über Viszeralchirurgie am nationalen Krebskongress, Vortrag über die Therapie gutartiger Mammaerkrankungen am Universitätsspital) durchgeführt. Die Arbeit der Medizinaltechniker im Team erwies sich als ausgesprochen hilfreich, indem zahlreiche Apparate repariert, aber auch indem tajikische Berufskollegen angeleitet und motiviert werden konnten.

Dangara ist ein Distrikthauptort im Südwesten Tajikistans, dessen Bedeutung vorwiegend darin besteht, dass dort der amtierende Präsident Emomalij Rahmon geboren wurde. Im neu errichteten Spital wurden durch SST-Mitglieder im April-Mai 2017 tajikische Ärzte in der Durchführung laparoskopischer Eingriffe (Cholezystektomie, Hernienoperationen, Appendektomie) unterrichtet. Die zusätzlich durchgeführten Kurse (chirurgische Nahttechniken) erfreuten sich grosser Beliebtheit und wurden mit einer Prüfung und einem Zertifikat abgeschlossen. Im Herbst 2017 wurde aus personellen Gründen keine SST-Mission in Dangara durchgeführt.

Khorugh, der Hauptort des autonomen Gebietes Gorno-Badakhshan (GBAO) liegt auf 2300 MüM, unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan. Die Aga-Khan-Stiftung hat lokal grossen Einfluss auf Investitionen und Infrastruktur. Wegen kriegerischer Ereignisse in der Grenzregion in Afghanistan wurde die Khorugh-Mission der SST im Mai-Juni 2017 verspätet und zeitlich verkürzt durchgeführt. Die Mitglieder der SST führten zusammen mit den Kollegen vor Ort zahlreiche allgemeinchirurgische Interventionen durch. Es konnte auf Grundlagen von vorhergehenden Missionen aufgebaut werden, wobei verbesserte Kommunikation (Englischkenntnisse) und fachliche Fortschritte der tajikischen Kollegen auffielen. Problematisch waren aber immer noch die apparative Ausrüstung der Anästhesie und das Fehlen von Sauerstoff bei der Allgemeinnarkose. Im Herbst 2017 lag das Hauptgewicht der Khorugh-Mission auf der Angiologie und Gefässchirurgie. Daneben wurden regionale Spitäler hinsichtlich weiterer Ausbildungsorte evaluiert, wobei nur das Spital in Murgab als geeignet beurteilt wurde. Als erstes peripheres Spital wurde während einer Woche Rushan personell unterstützt und geteacht. Ein Arzt aus Khorugh (Dr. Hasanbek) erhielt von der ESKAS ein Stipendium für einen 6-monatigen Studienaufenthalt in der Schweiz 2018.

Projekt Tansania: (Tabora)
Im April-Mai und im Oktober 2017 fanden in Tabora (Kitete Regional Referal Hospital) in Tansania zwei 14-tägige Missionen eines interprofessionellen Teams der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel in Zusammenarbeit mit den SST statt. Tabora ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region im Nordwesten Tansanias, die 2.3 Millionen Einwohner zählt. Das Spital betreut 6500 Geburten jährlich, leidet aber unter erheblichem Personalmangel bezüglich Ärzten und Pflegepersonal (besonders Hebammen). Im Vordergrund stand das «bedside-teaching» des Personals vor Ort, neben der Demonstration/Supervision geburtshilflicher Ultraschall-untersuchungen, dem Simulationstraining geburtshilflicher Notfallsituationen und der Assistenz bei geburtshilflichen und gynäkologischen Operationen. Vor grosser Bedeutung war die Tätigkeit der Medizinaltechniker im Team, denen es gelang, zahlreiche Geräte der maroden Spitalinfrastruktur wieder in Gang zu setzen. Für künftige Missionen in Tabora ist vorgesehen, neben dem gynäkologisch/geburtshilflichen Team auch wieder Chirurgen nach Tabora zu entsenden.

Projekt Südpazifik: Samoa, Salomonen, Papua Neuguinea
(New Britain Islands, New Ireland Island)
Im Juni-Juli 2017 wurde im Südpazifik eine Mission der SST durchgeführt. In Apia (Samoa) wurde eine 12-köpfige Teilnehmergruppe anhand der PIOA-Datenbank (Pacific Islands Orthopedic Association) geschult. Es wurden spezifische Fragestellungen nach einer Einführung in die Grundlagen von Datenbanken und Datamanagement mittels SQL (Structured Querry Language) bearbeitet. Zusätzlich wurden klinische Visiten und Fallbesprechungen durchgeführt sowie allgemein orthopädisch-traumatologische Vorträge gehalten. Am Ende des Ausbildungsmoduls konnte ein Teilnehmer aus Honiara (Solomon Islands), der seit 2012 am PIOA-Programm teilgenommen hatte, nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung diplomiert werden. In Hinblick auf künftige SST-Missionen in Papua Neuguinea wurden Spitäler in Kokopo (New Britain Island) und Kavieng (New Ireland Island) besucht und bezüglich ärztlicher Kompetenz (Chirurgie, Anästhesie), organisatorischer Abläufe und Spital-Infrastruktur (Operationssäle, Röntgendiagnostik) evaluiert. Grundsätzlich wurden beide Spitäler für einen künftigen SST-Einsatz als geeignet befunden. Da die lokalen Ärzte eine grosse Bereitschaft und Akzeptanz für weitere Missionen geäussert hatten, wird seitens des SST geplant, die Missionen im Südpazifik auszubauen.