Projekt Tadschikistan

Projektleiter Dr. med. Jürg Bärtschi

Das zentralasiatische Land Tadschikistan, die kleinste der zentralasiatischen Republiken, war in der Vergangenheit als Rohstofflieferant in dem sowjetischen Produktionskomplex eingebunden. Die planwirtschaftliche Abhängigkeit machte es unmöglich die Wirtschaft innerhalb der Republik vielfältig zu entwickeln. Tadschikistan exportierte Baumwolle, Obst und Gemüse sowie Aluminium und Buntmetalle in die ganze UdSSR und war auf den Import wichtiger Verbrauchsgüter, Nahrungsmittel und Maschinen angewiesen.

Tadschikistan wurde Ende 1924 unter sowjetischen Auspizien (im Zuge der sogenannten National-territorialen Abgrenzung Mittelasiens) gewissermassen aus der politischen Landkarte gestanzt. Offiziellerweise geschah dies unter Anwendung ethnisch-sprachlicher und wirtschaftlicher Kriterien. Die solchermassen geschaffene Autonome Republik Tadschikistan war zunächst noch ein Bestandteil Uzbekistans. 1929 erhielt Tadschikistan dann einen territorialen Nachschlag (die nördliche Provinz Sughd/Leninabad) und wurde zu einer "eigenständigen" Unionsrepublik gekürt, der Tadschikischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die bis 1991 bestand.

Dieser neugeschaffene "Nationalstaat" setzte sich aus recht disparaten Teilen zusammen. Seine südlichen und zentralen Gebiete bis nach Badachschan hinein, hatten bis 1920 zum Emirat von Buchara gehört, einem mittelalterlich zu nennenden islamischen Staatsgebilde, das seit 1868 unter russischem Protektorat gestanden hatte. 1920 wurde das nach wie vor nominell souveräne Emirat von Buchara durch Sowjetrussland unter dem Deckmantel einer Revolution mittels einer gezielten militärischen Operation gestürzt. Im Gefolge dieser Intervention flammte in der nunmehrigen Volksrepublik Buchara vielerorts bewaffneter, traditionalistisch motivierter Widerstand auf, besonders hartnäckig in Ost-Buchara, dem heutigen Zentral- und Südtadschikistan. Das Wirken dieser Widerstandsgruppen - ihre Mitglieder sind unter der Bezeichnung "Basmatschi" bekannt - setzte sich bis in die 1930er Jahre hinein fort (von Mitte der 1920er Jahre an diente ihnen als Hauptausgangsbasis ihrer Operationen Nordost-Afghanistan; nennenswerte Unterstützung von aussen erhielten die "Bamatschi" nicht).

Die übrigen Landesteile des heutigen Tadschikistan, die Pamire und der Norden des Landes, gehörten seit dem letzten Viertel des 19.Jhdts. unmittelbar zu Russland, genauer gesagt: zu dessen Generalgouvernement Turkestan. Während sich in den unwirtlichen Pamiren nicht viel tat, erfuhr der Norden (Sughd/Leninabad-Provinz), der im Einzugsbereich des fruchtbaren Beckens von Ferghana liegt, unter der russischen Kolonialherrschaft einen kräftigen Entwicklungsschub.

Die Geschichte des "Nationalstaats" Tadschikistan ist bis zu seiner ungewollten Unabhängigkeit 1991 (infolge des Zusammenbruchs der UdSSR) aufs engste mit den Entwicklungen in der Sowjetunion verbunden: Phänomene wie Kollektivierung, Umsiedlungsaktionen, politische Säuberungen, Atheismus-Kampagnen, Reform von Sprache und Schrift trafen das Land und seine Bevölkerung in voller Härte. Auf der anderen Seite standen Massnahmen wie Alphabetisierung, Aufbau eines Bildungs- und Gesundheitswesens, von Industrie, Infrastruktur etc., die Tadschikistan zu einen Grundstock an Modernisierung verhalfen, von dem es noch heute zehrt.


Fakten zu Tadschikistan
Fläche: 140'000 km²
Einwohnerzahl: 8 Millionen
Hauptstadt: Duschanbe
Lebenserwartung: 70 Jahre (Männer), 64 Jahre (Frauen)
Armutsrate: 27 Prozent (weniger als 1 Dollar pro Tag)
BSP pro Kopf: 953 Dollar


 

 

 

 

 

 

Politische Karte von Tadschikistan: