Swiss Surgical Teams, Mongolei 2009

Beat Kehrer Dr. med.,

Teamleader SST / Präsident Jürg Ammann Stiftung

Auch nach 11 Jahren ist das SST in der Mongolei unvermindert aktiv!

Für das im Aufbau begriffene Telemedizin-System weilten schon im März 2009 zwei Mitglieder (Kehrer/Oberholzer) - begleitet von zwei IT-Spezialisten - in Ulaanbaatar. Ende 2008 hatte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Eidgenössischen Amt für auswärtige Angelegenheiten eine entscheidende finanzielle Unterstützung für dieses Projekt gesprochen. Für das SST ist dies nicht nur Anerkennung der bisherigen Tätigkeit, sondern auch Verpflichtung, das Projekt erfolgreich zu implementieren. Dazu waren Absprachen und Planungen mit unseren Partner vor Ort notwendig.


Das mit 23 Mitgliedern bisher grösste Team reiste vom 22. Mai bis 13. Juni in die Mongolei. Entsprechend vielfältig waren dessen Aktivitäten:

1. Tätigkeiten in Ulaanbaatar:

  • Im National Cancer Center haben unsere Kollegen dank der langjährigen und konsequenten Fortbildung durch unser Team (Gillet/Chanson/van Maren) wesentliche Fortschritte gemacht. Ihr medizinisches Wissen und Können haben einen sehr hohen Stand erreicht. Dank diesen Voraussetzungen konnten ihnen komplexe Geräte übergeben werden, die durch einen Schweizer Sponsor finanziert wurden. Die Geräte erweitern und verbessern die technischen Möglichkeiten in der Leberchirurgie.
     
  • Im Kinderspital fehlt aus politischen Gründen in der Kinderchirurgie weiterhin der kompetente Chefarzt. Unser bewährtes Team (Hanimann/Winiker/Waidelich) konnte die wenig erfahrenen Kinderchirurgen in schwierigen Fällen beraten und unterstützen.
     
  • Im Spital Nr. 1 haben kurzfristige Absagen von Mitgliedern des SST leider keinen Einsatz erlaubt. Dies war bedauerlich, da das bedeutende Zentralspital der erste und längste Partner des SST ist. Einzig Thomas Böhlen konnte für wenige Tage Schmerzpatienten behandeln und das Personal instruieren.
     
  • Im Mother and Child Hospital hat Gero Drack Kurse gegeben zu Themen wie Schwangerschaftsprobleme, Vakuumextraktion etc. Zudem hat er während einer Woche als Hauptreferent einer Fortbildungswoche der UNFPA in Choibalsan eine Reihe von Lektionen zu Problemen rund um die Geburt erteilt. Die enge Zusammenarbeit des SST mit dieser UN-Organisation hat sich gut eingespielt und bewährt.

2. Wie schon seit 4 Jahren unterstützten wir wieder zwei Countryside Hospitals. Dies sind "Regional Centers" in der Steppe, Hunderte von Kilometern von der Hauptstadt entfernt, die isoliert und weitgehend auf sich selbst gestellt sind. Patienten können von dort nur in Ausnahmefällen in die spezialisierten Zentren von Ulaabaatar überwiesen werden, sei es aus Mangel an Geld, fehlenden Transportmitteln oder unpassierbaren Strassen. Die Ausrüstung dieser Spitäler hat sich wohl in den letzten Jahren etwas verbessert, ist aber immer noch ungenügend.

  • Im Norden der Mongolei war erstmals ein Team in Darkhan im Einsatz (Nussbaumer/Borboen/Twerenbold/Hämmerli).
  • Im Osten arbeitete das Team (Rotzer/Bärtschi/Müller/Dauwalder) in Choibalsan, einer ehemaligen Garnisonsstadt der Russischen Armee.

Die Teams waren herzlich willkommen. Sie bringen Kontakte, Fortbildung sowie medizinische und materielle Unterstützung, beteiligen sich an der täglichen Arbeit, diskutieren Probleme von Patienten, assistieren bei Operationen und erteilen Kurse in ihren Fachgebieten.

In beide Teams waren je eine junge Chirurgin integriert (Twerenbold/Müller) mit dem Ziel, sie unter der Führung von erfahrenen Kollegen in die anspruchsvolle Tätigkeit in einem Entwicklungsland einzuführen und dafür zu begeistern.

Operative Eingriffe
Die meisten Operationen wurden zu Ausbildungszwecken assistiert und nur bei sehr schwierigen Fällen, wie grosse, komplexe- oder Mehrfach-Eingriffe, von unseren Mitgliedern selbst durchgeführt oder die Anaesthesie geleitet. Die Zahlen umfassen alle Eingriffe, an denen ein SST-Mitglied beteiligt
war.
Spital Nr. 1

  • Allgemeinchirurgie 05
  • Schmerztherapie 56 (inkl. Darkhan)
  • Anaesthesien 05
  • National Cancer Center
  • Chirurgie 82 (vorwiegend komplexe Leberoperationen)
  • Anaesthesien 47

Maternal and Child Health Research Center

  • Kinderchirurgie 66
  • Geburtshilfe 05
  • Anaesthesien 81

National Traumatology and Orthopaedic Research Center * *keine Eingriffe

  • Aimag-Spital Dornod
  • Chirurgie 75 (davon 29 laparoskopische Gallenblasenoperationen)
  • Geburtshilfe 06
  • Anaesthesie 81

Aimag-Spital Darkhan

  • Chirurgie 54
  • Anaesthesien 72

Total Eingriffe und Anaesthesien 635

3. In der Mongolei sind angeborene Hüftfehlbildungen häufig und werden oft zu spät diagnostiziert und inadäquat behandelt. Zwei Pädiater (Baumann/Schmid) haben sich deshalb dem SST angeschlossen und für Mongolische Kinderärzte erste Kurse zur Frühdiagnose durchgeführt, die auf grosses Interesse gestossen sind. Die Frühdiagnose ermöglicht eine wenig belastende Therapie und kann helfen Operationen zu vermeiden. Es ist geplant, das Projekt längerfristig auch wissenschaftlich zu begleiten und auszuwerten.

4. Für das Telemedizin-Projekt wurden eingehende Instruktionen des verantwortlichen lokalen Personals durchgeführt und neun periphere Spitäler mit der notwendigen Hardware ausgerüstet. Erste Tests vor Ort (u.a. mit zwei Life-Übertragungen aus Choibalsan an das WHO-Meeting in Ulaanbaatar) haben gezeigt, dass Hardware und auch die neu entwickelte Software problemlos funktionieren. In der Folge hat sich die UNFPA entschlossen, sich finanziell daran zu beteiligen und über unser Netzwerk eigene Projekte abzuwickeln.

5. Die GIEESC (Global Initiative for Emergency and Essential Surgical Care), welche sich innerhalb der WHO mit der Chirurgie beschäftigt, hat während unserer Anwesenheit in der Mongolei ihr drittes Meeting abgehalten. Das SST, als Gründungsmitglied der GIEESC, war an der Vorbereitung des Meetings beteiligt. Das von Vertretern aus der ganzen Welt besuchte Meeting gab Gelegenheit die Zusammenarbeit zwischen dem SST und dem Gesundheitswesen der Mongolei zu präsentieren.

6. Als Stipendiatin der ESKAS (Eidgenössische Kommission für Ausländische Studierende) wird Frau Dr. Sarangerel ab Oktober 2009 während 6 Monaten am Kantonsspital St. Gallen tätig sein. Sie wird dort an der Frauenklinik von Gero Drack betreut werden und Gelegenheit haben, sich in der Geburtshilfe fortzubilden.

Der nächste Einsatz des SST in der Mongolei ist für die Zeit vom 14. Mai bis 5. Juni 2010 geplant.

        Prof. M. Gillet bei einer Operation im National Cancer Center

 

 

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