Swiss Surgical Teams, Mongolei 2010

Beat Kehrer, Dr. med.

Teamleader SST Mongolei / Präsident Jürg Ammann Stiftung

Keiner der acht Pioniere des Swiss Surgical Team (SST), welche auf einen Vorschlag von Pierre Tschantz (Neuchâtel) und Jean-François Schmid (Yverdon-les-Bains) 1999 erstmals in die Mongolei reisten, hätte sich wohl träumen lassen, was aus ihrer mutigen Initiative entstehen würde. Heute - 11 Jahre später - ist das SST die grösste, chirurgische Hilfsorganisation, welche in der Mongolei tätig ist.

Zu Beginn konzentrierte sich das SST auf die Weiter- und Fortbildung in operativer Tätigkeit sowie in der perioperativen Diagnostik und Therapie. Sehr bald aber wurde die Notwendigkeit einer umfassenderen chirurgischen Hilfe erkannt. Dank langjähriger finanzieller und materieller Unterstützung durch Privatpersonen (über die Jürg Ammann-Stiftung), chirurgische Fachgesellschaften (fmch, SGC, ICS), Spitäler, Firmen sowie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und die Eidgenössische Kommission für Ausländische Studierende (ESKAS), war es deshalb möglich weitere Projekte zu verwirklichen.

Die Mission 2010 illustriert diese Entwicklung eindrücklich:
Vom 14. Mai bis zum 5. Juni 2010 war das bisher grösste SST in sechs verschiedenen Spitälern tätig (10 Chirurgen, 4 Anästhesisten, 4 Operationsfachleute, 3 Pädiater, 2 Medizintechniker und je ein Pathologe, Geburtshelfer, Gynäkologe, Software-Spezialist, Fotograf sowie der Teamleiter).
Alle sind ausgewiesene Spezialisten, die mit ihrem langfristigen Engagement den Erfolg und die Nachhaltigkeit unserer Einsätze sicherstellen. Dies ist entscheidend, denn ungenügende oder gar fehlende diagnostische und therapeutische Mittel, komplexe Erkrankungen, Kommunikationsprobleme, kulturelle Unterschiede etc. erschweren die Arbeit. Es erfordert grosse klinische und operative Erfahrung um in diesem Umfeld bestehen zu können. Und es braucht Zeit, um zwischen den Partnern das notwendige Vertrauen aufzubauen.

In der Hauptstadt Ulaanbaatar arbeiten wir mit unseren bewährten Partnern: Spital Nr.1 (Allgemeinchirurgie, Anästhesie, Schmerztherapie, Intensivpflege), National Cancer Center (Anästhesie / Leber-, Gallengangs-, Pankreaschirurgie / Gynäkologie) Kinderspital (Kinderchirurgie, Kinderanästhesie), MCHRC (Geburtshilfe / Kurse in Zusammenarbeit mit UNFPA / Hüft-Projekt).

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Operation im Kinderspital Ulaanbaatar (die OP-Lampe wurde vom Spital Herisau gespendet)

Seit fünf Jahren sind wir zudem mit zwei Teams in weit abgelegenen, peripheren Spitälern präsent. 2010 arbeitete eines dieser Teams im Norden der Mongolei wo sich eine der grössten Kupferminen befindet ein zweites in der Wüste Gobi. Je eine junge Chirurgin / Chirurg sind in diese Teams integriert, erhalten einen Einblick in die Arbeit in einem Schwellenland und erleben deren Faszination. Wir hoffen, sie damit für die Zukunft für eine solche Tätigkeit begeistern zu können.

Ein weiteres grosses Projekt - von der DEZA mitfinanziert und vom SST in der Mongolei implementiert - ist der Aufbau eines Telemedizin-Netzwerkes, welches alle Spitäler in der Mongolei untereinander verbindet. Die dazu notwendige Hard- und Software wurde vom SST in Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Firma entwickelt und in der Mongolei eingeführt. Das Netzwerk dient dazu, den peripheren Spitälern, die Hunderte von Kilometer ausserhalb der Hauptstadt liegen und nur schwer erreichbar sind, fachliche Unterstützung zu geben (Konsultationen mit Spezialisten, Weiter- und Fortbildung, Beurteilung von Befunden etc.). Nach sorgfältiger Einführung sind die ersten Erfahrungen mit dem Netzwerk ausserordentlich positiv. Inzwischen sind Fachleute aus verschiedenen Ländern und internationalen Organisationen an diesem Projekt interessiert.

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Kurs für Telemedizin

Neu im SST sind drei Kinderärzte welche die Früherfassung von Hüftgelenksfehlbildungen bei Neugeborenen und Säuglingen einführen. Die im Vorjahr mit unserer Unterstützung begonnenen ersten Abklärungen und gewonnenen Erkenntnisse werden nun während einem Jahr in einer kontrollierten Studie umgesetzt. Dazu werden ca. 9000 Neugeborenen von unseren Mongolischen Kolleginnen untersucht und die Sonographie-Bilder über unser Telemedizin-System von der Schweiz aus kontrolliert. So können allfällige Fehlbildungen erfasst und rechtzeitig einer Behandlung zugeführt werden mit dem Ziel, den betroffenen Kindern eine Invalidisierung zu ersparen.

Technische Geräte sind in der modernen Medizin unverzichtbar, übersteigen aber die finanziellen Mittel der öffentlichen Spitäler in der Mongolei. So haben wir z.B. im laufenden Jahr drei Grosscontainer mit Material in die Mongolei geschickt und in unserer Anwesenheit verteilt. Die Geräte müssen instruiert, regelmässig kontrolliert, gewartet und wenn nötig repariert werden. Unsere beiden Techniker übernehmen diese anspruchsvollen Aufgaben, da vor Ort dazu keine adäquaten Möglichkeiten bestehen.

Seit mehreren Jahren haben wir, dank grosszügiger Unterstützung durch die Eidgenössischen Stipendienkommission für ausländische Studierende, die Möglichkeit in jedem Wintersemester bis zu drei Stipendiaten/innen für 6 Monate in die Schweiz einzuladen. Die von uns ausgewählten jungen Ärzte lernen während dieser Zeit in einer von einem unserer Mitglieder geleiteten Klinik unser Gesundheitssystem kennen. Dabei bietet sich Gelegenheit in einer vertieften Zusammenarbeit nicht nur medizinisches Wissen zu vermitteln, sondern auch organisatorische, ethische, politische etc. Fragen zu diskutieren.

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      Mongolische Stipendiatin am Ostschweizer Kinderspital

Was haben wir gelernt?
Dass nur ein langfristiges Engagement eines stabilen und erfahrenen Teams Erfolge und Fortschritte erzielen kann. Dazu braucht es gegenseitige Vertrautheit und grosses Vertrauen, das auf Respekt und Wertschätzung aufgebaut ist und Partner, die sich verstehen und Werte und Ziele teilen. Viele unserer Mongolischen Kollegen/innen sind im Laufe der Jahre für uns zu echten Freunden geworden mit denen zu Arbeiten auch für uns jedes Mal eine grosse Bereicherung ist.

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Unsere Partner und Freunde vom National Cancer Center in Ulaanbaatar

2011 wird das SST wieder vom 27. Mai bis zum 18.Juni in der Mongolei weilen.

Photos: Michael Baumann, Beat Kehrer, Beat Hanimann

 

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