Swiss Surgical Teams, Mongolei 2011

Beat Kehrer Dr.med., Teamleader SST / Präsident Jürg Ammann Stiftung

Seit nunmehr dreizehn Jahren ist das Swiss Surgical Team (SST) in der Mongolei aktiv. Es gibt wohl keine medizinische Organisation, die auf eine ähnlich langjährige Tätigkeit zu Gunsten der Mongolei zurückblicken kann. 2011 war aber nicht nur in dieser Hinsicht ein "Rekordjahr", sondern das SST hat mehrere Missionen und ein mit 30 Mitgliedern grosses Swiss Surgical Team vor Ort geschickt. Wir sind damit unserer Devise treu geblieben, dass nur eine langfristige Unterstützung durch erfahrene und erprobte Mitglieder zielführend sein kann. Wiederum waren in allen Teams mehrheitlich Leute tätig, welche uns seit vielen Jahren aktiv verbunden sind und die deshalb mit den lokalen Bedingungen bestens vertraut und mit ihren Partnern in den verschiedenen Spitälern freundschaftlich verbunden sind.

Wie üblich fand die Hauptmission in der Pfingstzeit vom 27.5. - 18.6.2011 statt. Leider musste der Teamleiter Beat Kehrer die Teilnahme wenige Tage vor Abreise aus familiären Gründen absagen. Gero Drack hat sich in der Folge kurzfristig bereit erklärt an seiner Stelle die Rolle des Teamleaders zu übernehmen. Dies obwohl er vor Ort in der Geburtshilfe am Mutter und Kind-Spital und im Rahmen der UNFPA mit klinischer Tätigkeit und Lehrveranstaltungen schon reichlich belastet war. Ihm gilt mein ganz grosser Dank für die zusätzliche Leistung die er zur Unterstützung des Teams geleistet hat.

In Ulaanbaatar waren verschiedene Teams in unseren "traditionellen" Partnerkliniken tätig: Hepato-pancreatico-biliäre Chirurgie (Gillet/ Gardaz) und gynäkologische Tumorchirurgie (Wight) am National Cancer Center, Schilddrüsenchirurgie (Wille), Abdominalchirurgie (Chanson) und Schmerzklinik (Böhlen) im Spital Nr.1, Kinderchirurgie (Hanimann, Gauderer, Gauderon, Saal, Erne) am Kinderspital

Die Tätigkeit in peripheren (sog. Aimag-Spitälern) hat sich zu einer zentralen Aufgabe des SST entwickelt. Diese Spitäler liegen weit draussen in der Steppe isoliert, vom medizinischen Fortschritt abgeschnitten und ganz auf sich selbst angewiesen. Unsere Unterstützung fällt dort auf besonders fruchtbaren Boden und der Kontakt mit dem Spitalpersonal vor Ort ist menschlich und fachlich für beide Seiten äusserst bereichernd. Das Team, welches schon im Vorjahr im Norden der Mongolei in Erdenet tätig war, ist auch 2011 unter der Leitung von Peter Nussbaumer wieder dorthin zurückgekehrt, um die begonnene Aufbauarbeit fortsetzen zu können. Ein zweites Team (Leitung Jörg Wydler) wurde erstmals weit im Westen der Mongolei in Baruun Urt eingesetzt. Für kurze Zeit wurde dieses Team von einem Reporter von SF1 begleitet, da 2012 im Rahmen der DOK-Sendung "Fortsetzung folgt" die Entwicklung des SST seit dem ersten DOK-Film von 2004 gezeigt werden soll.

In beiden "Countryside-Teams" waren je eine junge Chirurgin/Chirurg im Einsatz und hatten Gelegenheit die Arbeit und Probleme in einem Entwicklungsland kennen zu lernen. Wir hoffen damit junge Ärzte und Ärztinnen für diese Tätigkeit begeistern zu können, damit das SST auch in Zukunft auf motivierte Leute zählen kann.

Unsere beiden Medizin-Techniker waren einmal mehr mit Revisionen und Reparaturen von unterschiedlichsten Apparaten und Geräten voll beschäftigt. Sie sind allerdings der Meinung, dass ihr Einsatz in Zukunft nicht mehr sinnvoll ist, da in den Spitälern immer mehr neue Geräte aus China und Korea stehen, deren Service von den Herstellerfirmen übernommen werden muss.

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Der Kinderchirurg Beat Hanimann während seinem letzten Einsatz für das SST

Neben dem "Hauptteam" waren 2011 im Rahmen des SST weitere Spezial-Teams in der Mongolei tätig:

- Thomas Böhlen hat im Januar die Entwicklung der von ihm initiierten "Schmerzklinik" mit grossem Erfolg vorangetrieben. Weil in der Mongolei das Problem der Behandlung von chronischen Schmerzen bisher noch kaum entwickelt war, ist dies ein wichtiges Projekt.

- Vom 18.3. - 28.3.2011 war das "hip-team" der Pädiater in Ulaanbaatar. Sie überwachen die Hüftentwicklung im Neugeborenen- und Säuglingsalter um allfällige Fehl- resp. Unterentwicklungen der Hüfte frühzeitig erfassen und behandeln zu können. Invalidisierende Entwicklungen können so mit einfachen therapeutischen Massnahmen verhindert und Operationen wie sie bisher notwendig waren, vermieden werden. Unser von der DEZA finanziertes Mongolisches Telemedizin-Netzwerk (MonTelNet) trägt in diesem Projekt entscheidend dazu bei, dass alle Untersuchungen welche von den Mongolischen Ärzten durchgeführt werden, in der Schweiz über das Internet kontrolliert und wenn nötig korrigiert werden können.

- Die weitere Entwicklung dieses MonTelNet war auch der Grund, dass unser Team von Spezialisten für dessen Hardware, Software und praktische Umsetzung (Schmaus, Klughammer, Oberholzer) vom 19.6. - 25.6.2011 in der Mongolei weilte, um vor Ort die Funktionsfähigkeit des Systems zu überprüfen, den Weiterausbau zu planen und mit den Mongolischen Behörden in Kontakt zu bleiben. Noch sind einige - auch politische - Probleme zu lösen, bis das Netzwerk wie geplant am 30.6.2013 dem Ministry of Health der Mongolei übergeben werden kann. Die DEZA und das Schweizer Konsulat in der Mongolei stehen uns dabei mit Rat und Tat zur Seite.

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     Der Leiter des Telemedizin-Netzwerkes in der Mongolei - Dr. Erdenetsogt während einer Instruktion für Spitalpersonal

Michel Gillet und Beat Kehrer waren vom 30.09. - 8./15.10.2011 eingeladen als Ehrengäste an der Feier "50 years National Cancer Center of Mongolia" teilzunehmen. Michel Gillet hat anschliessend bis zu seiner Rückreise am 15.10. noch Patienten untersucht und bei Operationen assistiert.

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Der Direktor des National Cancer Center überreicht Prof. Michel Gillet als Dank für die langjährige Unterstützung die Ehrenmedaille des Spitals.

Auch 2011 haben wir zwei Grosscontainer mit medizinischer Ausrüstung in die Mongolei geschickt. Schon in früheren Jahren sind beim Transport immer wieder Probleme entstanden, welche aber diesmal schwerwiegender waren. Während ein Container rechtzeitig mit unserem Team in der Mongolei ankam war der zweite lange Zeit in China unauffindbar und ist schliesslich erst mit 10 Wochen Verspätung in der Mongolei eingetroffen.

Wie bisher jedes Jahr können wir dank Unterstützung durch die Eidgenössische Kommission für ausländische Studierende des Bundes (ESKAS) wiederum ausgewählte Stipendiaten aus der Mongolei für 6 Monate in die Schweiz einladen: Zwei Anästhesisten aus dem National Cancer Center im CHUV, ein Pathologe der Health Sciences University of Mongolia im Universitätsspital Basel und eine Kinderurologin am Kinderspital in Luzern und Zürich. Diese Aufenthalte sind für unsere Mongolischen Freunde von grosser Bedeutung, können sie sich nicht nur medizinisches Wissen aneignen, sondern auch organisatorische, politische und kulturelle Erfahrungen sammeln.

Die Mongolei steht heute vor einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Hunger vieler Nationen nach Rohstoffen hat zu einem wirtschaftlichen Boom geführt an dem sich neben China, Russland, USA, Deutschland u.a. auch Schweizer Investoren beteiligen. Es ist damit zu rechnen, dass sich diese Entwicklung, die sich schon seit einigen Jahren abgezeichnet hat, massiv beschleunigen wird. Damit stellt sich für uns die Frage ob und wie wir unter den veränderten Bedingungen unsere Arbeit in der Mongolei fortsetzen wollen. Wir werden anlässlich unserer Tätigkeit in der Mongolei 2012 nach Antworten suchen müssen.

 

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