Schweizerisch-Englisches Team, Okpoga, Nigeria, 3.-12. Januar 2011

Swiss Surgical Teams, Aliade, Nigeria, 3. - 12. Januar 2011

Anlässlich eines Kurzbesuchs im St. Mary Spital in Okpoga, Nigeria im Februar 2010 entschieden wir uns an diesem Spital ein neues Hernienprojekt zu starten. Nach einigen Monaten der Vorbereitung war alles organisiert und das internationale Team, welches vorwiegend aus Mitgliedern des Swiss Surgical Teams bestand, zusammengestellt.
  
Zur gleichen Zeit würde ein zweites Team aus Irischen, Australischen und Schweizer Mitgliedern eine Woche im St. Vincent Spital in Aliade verbringen. Nach einem Nachtflug mit Britisch Airways via London erreichten wir in den frühen Morgenstunden Abuja, die Hauptstadt Nigerias. Die Fluggesellschaft hatte uns grosszügigerweise eine Menge Freigepäck zur Verfügung gestellt. Wir waren also in der Lage chirurgische Instrumente sowie weiteres für den Einsatz notwendiges Material mitzunehmen.

Trotz der grossen Anzahl Gepäckstücke konnten wir die Einreiseformalitäten ohne grössere Probleme hinter uns bringen und schon bald konnten wir unsere Reise zum Bestimmungsort fortsetzen. Während der nächsten 6 Stunden fuhren wir in einem überfüllten Minibus auf einer Strasse voller Schlaglöcher zunächst zum St. Vincent Spital, wo das Team schon freudig erwartet und herzlich Willkommen geheissen wurde. Zwei Stunden später nach einer staubigen Fahrt und einem kurzen Höflichkeitsbesuch beim zuständigen Bischof erreichten die drei Chirurgen (Martin Walliser, Hanspeter Notter, Peter Nussbaumer), der Englische Jungchirurge (James Barnes), ein Narkosearzt (Warner van Maren) und eine Operationsschwester (Claudia Baur) endlich unseren Bestimmungsort, das St. Mary Spital in Okpoga. Eine grosse Menschenmenge hatte sich dort versammelt und hiess uns mit lokalen Tänzen und Gesängen herzlich willkommen. Unser Besuch war im Voraus schon in den umliegenden Dörfern sowie in den lokalen Kirchen angekündigt worden.

Um den kurzen Aufenthalt möglichst effizient zu nutzen wurde der Operationssaal noch am gleichen Abend für die bevorstehenden Eingriffe eingerichtet. Das mitgebrachte Material sowie die Instrumente wurden ausgepackt, sortiert und vorbereitet. Dank einem neuen, von Operation Hernia gespendeten Generator war die Stromversorgung 24 Stunden am Tag sichergestellt und erlaubte auch nach Einbrechen der Dunkelheit ein zügiges Arbeiten.

Am nächsten Morgen ging die Arbeit dann richtig los. Schon im Morgengrauen begannen die Patienten im Spital einzutreffen und lange Warteschlangen zu bilden. Wurde die Diagnose eines Leistenbruches bestätigt, so wurden die Patienten auf die Operationsliste für den gleichen oder einen der folgenden Tage gesetzt. Diejenigen, welche gleichentags behandelt wurden, zogen sich das Spitalnachthemd über und setzten sich in einer Reihe vor dem Operationssaal auf die Plastikstühle. Geduldig warteten sie, bis sie an der Reihe waren, teilweise den ganzen Tag. Auch die Angehörigen, welche unter einem improvisierten Sonnenschutz aus Plastik sassen, zeigten keine Ungeduld.

Während der nächsten 6 Tage operierten wir von morgens bis abends, manchmal bis in die Nacht hinein. Zwischen den einzelnen Operationen standen die beiden Operationstische jeweils nur gerade für eine kurze Reinigung leer, unmittelbar darauf war der nächste Patient wieder aufgelegt. 80 Patienten und 90 Eingriffe später war die Zeit unseres Aufenthaltes schon wieder abgelaufenen, die Patienten strömten aber immer noch in Scharen herbei. Einige waren bis zu acht Stunden unterwegs um das Spital zu erreichen und mussten aus Kapazitätsgründen unverrichteter Dinge wieder umkehren. Ihre Namen wurden auf Listen erfasst mit dem Versprechen, das nächste Team werde sich um sie kümmern.

Anstatt lediglich einer Operation pro Tag wie sonst hier üblich führten wir bis zu 18 Eingriffe täglich durch, was nicht nur das operierende Team erschöpfte, sondern auch die Mitarbeiter, welche für die Reinigung und Sterilisation der Instrumente zuständig waren, ans Limit führte. Die Anwesenheit einer erfahrenen Operationsschwester steigerte die Effizienz und Qualität dieser Arbeit im Hintergrund deutlich und verbesserte den Hygienestand massgeblich.

Eines der Ziele von Operation Hernia ist es, zeitgemässe chirurgische Techniken zu vermitteln. Die drei Nigerianischen Ärzte, welche in dem 100-Betten Spital arbeiten, waren jedoch durch den Arbeitsanfall in den anderen Abteilungen viel zu sehr absorbiert um regelmässig bei den Operationen dabei zu sein. Da auch keiner eine chirurgische Ausbildung besass, mussten die Weiterbildungsziele etwas bescheidener formuliert werden. Immerhin gelang es, einen der einheimischen Ärzte soweit zu schulen, dass er die instruierten Eingriffe unter Anleitung korrekt durchführen konnte.

Auch dieses Mal waren sowohl Verpflegung wie auch Unterkunft hervorragend, die Oberin und ihr Team taten alles um unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch Austin Ella, der lokale Koordinator unterstützte uns sowohl vor wie während dem Einsatz tatkräftig und trug so massgeblich zu einem erfolgreichen gelingen bei.

Abschliessend kann gesagt werden, dass das Team eine sehr intensive, aber auch befriedigende und unvergessliche Zeit in St. Mary verbracht hat. Ein grosser Dank gebührt allen, die uns bei unserer Arbeit unterstützt und ermutigt haben.

Dr. med. Peter Nussbaumer

 

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