Einsatzbericht, Nigeria Januar 2013

Swiss Surgical Team Okpoga/Nigeria 5. - 19.1.2013

Seit 2010 ist das Swiss Surgical Team in Nigeria aktiv. Nachdem die ersten Missionen noch unter der Organisation von "Operation Hernia" liefen, hat sich das SST mittlerweile davon gelöst und betreibt am St. Mary's Hospital in Okpogo seit 2011 ein eigenes Projekt. Okpogo befindet sich 400 km südlich der Hauptstadt Abuja und ist von da aus über meist gute und grösstenteils geteerte Strassen in 7 Stunden erreichbar.

Für unseren Teamleader Dr. Peter Nussbaumer war der Einsatz in Okpogo mittlerweile der fünfte in Nigeria. Das restliche Team bestand aus Corinne Beerle und Stefan Gutknecht, welche beide bereits an Missionen in Nigeria bzw. der Mongolei beteiligt waren, sowie Lana Fourie, welche als SGC Kandidatin erstmals dabei war. Sebastian Reich, unser technischer Operationsassistent sowie Michael Minck, unser Anästhesist waren beide auch erstmalig an einem solchen Einsatz beteiligt.

Nach dem Flug mit Lufthansa über Frankfurt und den üblichen Diskussionen am nigerianischen Zoll, übernachteten wir einmal in Abuja. Am nächsten morgen machten wir uns auf die lange Fahrt nach Okpoga, wo wir mit afrikanischen Tänzen wärmstens Willkommen geheissen wurden. Nach Durchsicht unseres Materials und der Vorbereitung des Operationssaals mit seinen 2 Tischen wurden wir erstmals kulinarisch verwöhnt. Dies wiederholte sich glücklicherweise von Tag zu Tag.

Der vorherige Einsatz fand im November 2012 statt, so dass die, damals aus Kapazitätsgründen unbehandelten, Patientin eine relativ kurze Wartezeit hatten. Die Ankunft der "overseas doctors" hat sich aber erneut weit herumgesprochen, so dass am Montagmorgen um die 100 Patienten auf eine Konsultation warteten. Unmittelbar nachdem die ersten Patienten untersucht und die Notwendigkeit zur Operation gestellt wurde, begannen wir zu operieren. Es stellte sich rasch eine gute Arbeitsteilung ein, so dass wir täglich bis zu 21 Operationen durchführen konnten. Gesamthaft wurden so 116 Leistenbrüche, 9 andere Hernien, 20 Hydrocelen und 22 andere Operationen durchgeführt. Gesamthaft wurden mit 167 Eingriffen 143 Patienten behandelt. Gut 60% wurden als Ausbildungseingriffe durchgeführt, dabei wurden auch diesmal wieder mehrere lokale Mitarbeiter weitergebildet. Falls ungeplant Notfälle dazwischen kamen, führte dies dazu, dass wir bis in die Nacht am Operieren waren. Die langen Arbeitspensen waren wir uns aus der Schweiz gewohnt. Deutlich gewöhnungsbedürftiger waren die übrigen Bedingungen, wenn man ein Spital nach europäischen Standards kennt.

Die staatliche Stromversorgung in Nigeria ist sehr unzuverlässig und schwach. Aus diesem Grund versorgt ein Dieselgenerator den OP mit Strom, welcher vor allem für die Operationslampen, die Diathermiegeräte (Verödung von Gewebe) und die 3 Klimaanlagen nötig ist. Wobei die Klimaanlagen die Temperatur bei weitem nicht auf die in Europa standardisierten 18-20°C kühlen können. Falls der Generator ausfällt hilft nur noch die Stirnlampe und noch mehr Schwitzen. 

Fliessendes Wasser gibt es am gesamten Spital nicht. Wasser wird während der Regenzeit gesammelt und in grossen Tanks aufbewahrt. Als Sanitäre Einrichtung dient neben WC und Spülbecken jeweils ein grosser Bottich Wasser. Wenn man die staubige, hitzige Umgebung und die spärlichen sanitären Anlage berücksichtigt, erstaunt das ausnahmslos saubere und gepflegte Auftreten der Patienten.

Nach den ersten 6 anstrengenden Tagen, waren wir über einen Ruhetag froh. Der Kirchenbesuch am Sonntag war deutlich kurzweiliger, als wir das aus der Schweiz kannten. Den Höhepunkt der zweiten Woche bildete der Besuch des Schweizer Botschafters im St. Mary's Spital. Einerseits gelang es der Spitalleiterin, Schwester Christiane, das Spital zu zeigen und die vielen Investionsmöglichkeiten zu diskutieren. Andererseits hat uns der Botschafter die Unterstützung für unsere Arbeit zugesagt, welche uns insbesondere beim Import von medizinischem Material zu Gute kommen sollte. Ein grosser Empfang mit den lokalen Stammesführern, mit viel afrikanischem Tanz und Essen durfte natürlich nicht fehlen.

Nach 10 intensiven und anstrengenden Tagen konnten wir höchst zufrieden und um viele Eindrücke reicher in die Schweiz zurückkehren. In sehr guter Erinnerung werden uns die dankbaren und herzlichen Patienten sowie die ausserordentliche Gastfreundschaft des Spitalteams und der Schwestern bleiben.

nig jan 13 5 Hans-Rudolf Hodel (Mitte), Schweizer Botschafter und Peter Nussbaumer (rechts)

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Das Team

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Lana Fourie und Corinne Beerle beim operieren  eines Verbrennungsopfers

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Traditioneller Afrikanischer Tanz

 

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Warteschlange am zweiten Tag

Photos: Peter Nussbaumer und Stefan Gutknecht

Stefan Gutknecht

 

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