Einsatzbericht, Nigeria Juni 2013

Swiss Surgical Team Okpoga/Nigeria Juni 2013

Melanie Kauper, Vera Pedersen, Sibylle Thoma, Ruth Gremminger und Ursina Rigonalli

Well done!

Das hörte ich als erstes in Okpoga und das hat mich zunächst verunsichert, ich hatte ja noch keinen Finger gerührt und dennoch "well done"!

Unser Aufenthalt  in Nigeria fing allerdings nicht mit "well done" an, sondern mit warten. Schon am Flughafen in Abuja wurde unsere Geduld auf die harte Probe gestellt, wir warteten, warteten, telefonierten und warteten wieder und hofften und warteten, wobei die Hoffnung immer kleiner und die Wartezeit immer grösser wurde. Grund waren die mitgeführten Kisten mit medizinischem Material und ein fehlendes Formular welches uns erlaubt hätte den Flughafen ohne Zollgebühren und ohne Schm..g.d zu verlassen.  Da Wochenende war und zwischenzeitlich auch Feierabend liess sich weder die benötigte Unterschrift noch ein genügend mitleidiger Beamter auftreiben um uns zu erlösen. Seither ist für uns "NFO" ein Standardbegriff (national food and drug organisation) und die afrikanische Bürokratie ein Rätsel. Irgendwann mussten wir unverrichteter Dinge ohne unser Material losziehen, mit dem vagen Versprechen "tomorrow"...

Das gute Nachtessen im Hause des Schweizer Botschafters liess uns vorübergehend unsere verwaisten Kisten vergessen und todmüde plumpsten wir danach in die Betten des Klosters in Abuja wo wir herzlich empfangen wurden.

Aufgrund unseres Vertrauens in die am Flughafen abgegebenen Versprechen heckten wir einen Schlachtplan aus und schickten eine Vorhut bestehend aus Ruth, Sibylle und mir nach Okpoga los während sich Melanie und Vera dem Kampf mit den Flughafenbehörden widmeten. Wir drei quetschten uns auf die Rückbank des kleinen Autos welches uns in 10 Stunden Fahrt nach Okpoga brachte. Begleitet von Radio Cristiana (alias Sister Cristiana) welche abwechselnd die immer gleichen Lieder auf CD mitsang, am Natel hing oder unter Gelächter die Schularbeiten ihrer Schwesterschüler korrigierte (bei der Aufgabe die Organe des Urogenitaltraktes aufzuzeichnen hatten einige ihrer Schützlinge die Organe etwas verwechselt...) war die Fahrt recht kurzweilig.

nig juni 13 6

In Okpoga angekommen fand ein wunderbarer Empfang für unser Schrumpfteam statt.

"Well done"!

nig juni 13 6

Noch gleichentags haben wir die müden Beine in den OP transportiert um Inventar zu machen. Weit würden wir mit dem vorhandenen Material nicht kommen, das war schnell klar. Nach 2 Tagen Screening, Operationen und einer immer länger werdenden Liste "Melanie zeigen" durften wir endlich erschöpft aber dankbar unsere Kolleginnen samt dem dringend benötigten Nachschub empfangen.

Zunächst also Hurra und auf in den Kampf gegen Hernien, Hydrozelen und Lipome. Wobei sich nicht alles was uns die Patienten zeigten in diese Kategorie einordnen liess...

Einen Anästhesisten hatten wir leider keinen dabei, Vera versenkte dafür die Patienten in einen traumreichen Dormicum/Ketalar-Schlaf mit dem Resultat dass "GOD" und "JESUS" abwechslungsweise und mindestens im Sekundentakt aufgerufen wurden. Abgesehen von denen welche wir mit einer zu gut gemeinten Lokalanästhesie daran hinderten (Femoralisblock) verliessen die Patienten den OP unmittelbar nach der Operation zu Fuss, zufrieden und dankbar.

"Well done"!

Am Sonntag war nicht Ruhetag sondern Feier angesagt. Nach der Messe wo einer genau so inbrünstig wie falsch mitsang genossen wir die Darbietungen. Das Ganze wurde vom Bischof höchstpersönlich mit seinem i-pad gefilmt und in einem milliardenbiteschweren Mail an Ruth weitergeleitet.

Der Tanz in den geschenkten Stammeskleidern war für mich alles andere als einfach, weil sich das Ding dauernd löste und ich in Gefahr lief in einer sehr wenig bekleideten Variante dazustehen... Erst der technisch sichere Knoten von Sybille liess mich aufatmen, einatmen war allerdings bei dem jetzt als Korsett fungierenden Kleid nicht mehr möglich. Der übrige Anlass (in Apnoe wohlverstanden) war sehr schön.

Abgesehen von einer Nacht WC-Dauerlauf meinerseits (wohl aufgrund des etwas übertriebenen Wassermelonenkonsums und einer von Schmerzen gequälten Schönheitskönigin (Sybille liess sich die Haare in einer stundenlangen Prozedur zöpfeln, Ruth und ich hätten wahnsinnig gerne auch unsere Haare gemacht aber irgendwer musste ja arbeiten...) hatten wir keine grösseren gesundheitlichen Ausfälle.  Zum Glück, denn wir hatten alle Hände zu tun wurden aber von den dank Sybille mit einer Engelsgeduld angeleiteten Operationspfleger immer tatkräftiger unterstützt.

nig juni 13 6

nig juni 13 6

Ziemlich geschafft ob der langen OP-Tage (dank Melanie war jeweils Feierabend vor Einzug der Mücken in den OP) machten wir uns auf die Rückreise.

nig juni 13 6

"Well done!

War der letzte Satz der mir in den Ohren nachklang als wir nach 2 Wochen Arbeit wieder in Richtung Abuja davonfuhren, viele versorgte Hernien hinter uns, aber noch viele mehr die sehnsüchtig auf das nächste Swiss Surgical Team warten....

 

button archiv uebersicht v1