Einsatzbericht Tansania 2015

Dr. med. Peter Nussbaumer, April 2015

Ausgangslage

2014 mussten zwei für den Herbst geplante Einsätze in Okpoga, Nigeria, abgesagt werden. Die Gründe waren einerseits die angespannte Sicherheitslage in Nigeria, ausgelöst durch die  vermehrten terroristischen Aktivitäten der radikal-islamischen BokoHaram, andererseits der Ebola-Ausbruch in Westafrika. Wegen der für März 2015 angesagten Präsidentenwahlen musste von einer weiterhin unsicheren Entwicklung der Sicherheitslage ausgegangen werden, sodass für die erste Hälfte 2015 ebenfalls keine Einsätze in Nigeria geplant wurden.

Ende 2014 wurden die SST von Prof. Andrew Kingsnorth, dem Leiter von Hernia International, angefragt, ob wir ein chirurgisches Team nach Tabora, Tansania senden könnten um dort im Kitete Hospital Hernienchirurgie zu betreiben. Der Stiftungsrat hat an seiner Sitzung vom 29. November dem Antrag zugestimmt. 

Vorbereitung

Die Mission wurde für März 2015 geplant. Da es sich um einen Piloteinsatz handelte, sollte das Team vorzugsweise aus erfahrenen SST-Mitgliedern der SST bestehen. Im gleichen Zeitraum war die erste Mission in Tadschikistan vorgesehen, was eine gewisse Herausforderung darstellte. Es gelang schlussendlich aber, geeignete Teammitglieder für beide Projekte zu rekrutieren.

An der Mission nach Tabora vom 22.3. - 3.4.15 nahmen folgende Personen teil:

Dr. med. Peter Nussbaumer, Chirurg
Dr. med. Jörg Wydler, Chirurg
Dr. med. Lana Fourie, Chirurgin
Dr. med Michael Minck, Anästhesist
Elvira Hospenthal, Fachfrau OT

Der Ansprechpartner und Koordinator vor Ort war Dr. Rashid Said, welcher schon früher eine Mission für Hernia International koordiniert hatte. Die Kommunikation mit ihm per Email funktionierte von Anfang an problemlos und zuverlässig. Dank seiner Unterstützung, inklusive einer Reise ins 900km entfernte Daressalam, erhielten wir die notwendige temporäre Berufsausübungsbewilligung rechtzeitig. 

Wegen dieser grossen Distanz entschieden wir uns gegen einen Direktflug von Zürich nach Daressalam. Stattdessen wählten wir eine Flugverbindung via Amsterdam und Nairobi nach Mwanza. 

Projektort

Tansania ist ein Staat in Ostafrika. Es liegt am Indischen Ozean und grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die DR Kongo im Westen und Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Es ist seit der Unabhängigkeit am 9. Dezember 1961 Mitgliedstaat des Commonwealth of nations. Auf einer Fläche von 945´087 km2 leben ca. 45 Mio. Einwohner. Tansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, der Human Development Index beträgt 0,488 (159. Rang).

Tabora ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, einer der grössten in Tansania. Kitete Hospital ist das Referenzspital der Region mit einem Einzugsgebiet von ca. 2,3 Mio. Das Spital wurde während der Kolonialzeit von den Deutschen erbaut, entsprechend veraltet ist zum Teil die Infrastruktur. So gehört es zum Alltag, dass es während der Regenzeit regelmässig durch das defekte Dach in den Operationssaal regnet und sich am Boden Pfützen bilden. Das Spital mit seinen 350 Betten enthält Abteilungen für Chirurgie, Medizin, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Psychiatrie, ein Labor und eine Röntgenabteilung sowie ein breites Angebot an ambulanten Sprechstunden. Wie in vielen afrikanischen Spitälern herrscht auch hier ein grosser Mangel an Ausrüstung und Verbrauchsmaterial. Dank seiner Bedeutung für die Region gibt es aber doch einige festangestellte  und teilweise auch spezialisierte Ärzte. 

Die Mission

Nach einem ereignislosen Nachtflug erreichten wir Mwanza. Dank dem Entgegenkommen der KLM mussten wir unser Übergewicht von 150kg nur für die Flugstrecke von Nairobi bis Mwanza bezahlen.

Am Zoll gab es die übliche Verzögerung und auch kritische Rückfragen wegen unseren mitgebrachten Hilfsgütern. Glücklicherweise wartete hier schon Rashid auf uns und führte die Diskussionen mit den Behörden. So konnten wir nach zwei Stunden ohne weitere Probleme mit sämtlichem Gepäck einreisen.

Auch der Transport von Mwanza, dem nächstgelegenen tansanischen Flughafen, nach Tabora und die Hotelunterkunft waren perfekt organisiert. 

Nach der Ankunft in Tabora fuhren wir direkt ins Kitete Hospital, wo ein erstes Treffen mit dem Spitalmanagement  stattfand, sowie eine kurze Besichtigung des Operationstrakts. Der Empfang war freundlich, alle Verantwortlichen schienen die Mission zu befürworten. Eine ähnlich positive Einstellung haben wir auch bei den regionalen Behörden beobachtet.

Während der nächsten 7 Tage haben wir zusammen mit 3 tansanischen Kollegen die Patienten operiert. Wir haben uns bei der Vorbereitung der Mission schon entschieden, vorwiegend Patienten mit Leistenbrüchen zu behandeln. Unsere Mission wurde im Vorfeld mit einer Informationskampagne bekannt gemacht. So war es nicht weiter erstaunlich, dass gegen 200 Patienten für die Voruntersuchung anstanden. Es war natürlich in der kurzen Zeit nicht möglich, alle diese Patienten zu behandeln. Immer konnten wir 93 Eingriffe bei 83 Patienten ohne Komplikationen durchführen. Darunter waren auch einige Notfalleingriffe aus den Bereichen der Viszeralchirurgie und Traumatologie, bei deren Durchführung wir von unseren Kollegen um Unterstützung angefragt wurden.

Dank unseres in Kinderanästhesie erfahren Kollegen konnten wir auch 19 Kinder ab einem Alter von 12 Monaten operieren. Aufgrund der mangelnden Erfahrung und Ausrüstung der Kollegen vor Ort werden Eingriffe bei so kleinen Patienten üblicherweise im Kitete Hospital nicht durchgeführt.

Trotz der kurzen Zeit ist es gelungen, den tansanischen Kollegen die Technik der Leistenbruchoperation mit Netzplastik in Lokalanästhesie beizubringen. Zum Schluss führten sie zwei Eingriffe ohne Instruktionsassistenz nur mit Supervision durch. Mit dem ihnen hinterlassenen Verbrauchsmaterial (Nahtmaterial, Netze, Medikamente) sollten sie in der Lage sein, weitere Patienten mit der gleichen Technik zu behandeln.

Peter Nussbaumer, Präsident

 

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