Einsatzbericht Tansania November 2015

Die Mission und ihr Inhalt

Nachdem das Pilotprojekt im Frühling 2015 ein voller Erfolg war, entschied man sich im Vorstand der SST zum Fortführen der Mission im Kitete Hospital in Tabora, Tansania. Galt die Aufmerksamkeit im Frühling 2015 ausschliesslich der Hernienversorgung, so sollte dieses Mal ein breiteres chirurgisches Spektrum abgedeckt werden. Neu mit dabei war daher mit Dr. André Kind (Leitender Arzt Universitätsspital Basel) zum ersten Mal auch ein Gynäkologe. Wie bereits beim letzten Mal engagierte sich Dr. Rashid Said im Vorfeld sehr für den reibungslosen Ablauf der benötigten Formalitäten vor Ort. Unterstützt wurde er dieses Mal zusätzlich durch Dr. Fikiri Martine, den chirurgischen Departementsleiter am Kitete Hospital.

Reise und Ankunft

Für den Flug von Zürich nach Dar es Salaam war dieses Mal ein Direktflug mit SWISS und ein Night-stop in Dar es Salaam vorgesehen. Gemäss den Informationen von SWISS gingen wir von einem Durchchecken des Gepäckes bis nach Tabora aus. Leider erwies sich diese Information als falsch. Unsere Hilfsgüter und Gepäckstücke waren allesamt in Dar es Salaam ausgeladen und fein säuberlich in der Arrival Hall aufgestapelt worden. Diese wieder zu finden war eine einfache Sache - die Einreise mit dem Gepäck nach Tansania hingegen weniger.

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Erst nach langen, sehr afrikanisch verlaufenden "Gesprächsrunden" durften wir alle Hilfsgüter einführen. Ebenso langatmig verlief das erneute Einchecken bei Precision Air - wobei dort für ein Mal europäische Sturheit über afrikanische Dickköpfigkeit siegte.

Der Flug nach Tabora verlief letztlich problemlos und der Empfang ebendort durch Dr. Rashid Said, Dr. Fikiri Martine und Irene Gwitaba (Health Secretary) verlief war warm und herzlich. Nach Zimmerbezug im Orion Tabora Hotel führte uns der Weg auf 2 Autos verteilt sowohl zum District Secretary, als auch zum Regional Commissioner, mit anschliessendem Besuch im Büro des Spital Direktors. Wir wurden überall mit offenen Armen und mit einer positiven Einstellung unserem Projekt gegenüber empfangen. Nicht ganz ohne Stolz führte uns Dr. Fikiri Martine anschliessend durch all die verschiedenen Spitalbereiche. Für Dr. Lana Fourier (Oberärztin Chirurgie, Kantonsspital Luzern) und Dr. Peter Nussbaumer (Chefarzt Chirurgie, Spital Lachen) war es ein herzliches Wiedersehen mit vielen der Mitarbeiter. Im Vergleich zum Frühling 2015 waren zahlreiche Gebäude (Wards) renoviert worden, so zum Beispiel die ICU (Intensive Care Unit). Das gesamte "Theatre" - die Operationssäle - glänzten im neuen Anstrich inkl. neuer Klimaanlagen. Voller Tatendrang richteten wir uns also in den Räumlichkeiten ein - die Arbeit konnte beginnen.

Gynäkologie und Geburtshilfe

Mit Dr. André Kind, der über 2 Jahre lang die Gynäkologie am Zentrumsspital in Malawi geleitet hatte, verfügten wir in unserem Team über einen sehr erfahrenen und "3.-welt erprobten" Gynäkologen. Unser Ziel in diesem Bereich war v.a. eine Bestandsaufnahme des aktuellen "Ist-Zustandes" am Kitete Hospital. Weiter stand in operativer Hinsicht das Teaching der Sectio caesarea über einen Pfannenstil-Zugang - im Gegensatz zur bisher praktizierten unteren medianen Längslaparotomie - im Vordergrund.

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Die Zusammenarbeit mit den vor Ort arbeitenden Gynäkologen verlief äusserst erfreulich. Sämtliche operativen Eingriffe - zu denen nebst der Sectio auch diverse Zysten-Operationen resp. Karzinomoperationen zählten - konnten im Sinne von Teaching-Operationen durchgeführt werden. Die vaginale Sonographie - ein Grundpfeiler der gynäkologischen Diagnostik - wurde erstmalig in der Geschichte des Kitete Hospitals genutzten und das Personal durch Dr. Kind geschult. Die Motivation auf ärztlicher Seite war dabei gross, wobei diese Motivation leider nicht auf alle überschwappte - die positive Energie machte vor dem gossen Kreis der Hebammen eindeutig Halt...!

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Anästhesie

Von chirurgischer Seite führten wir auch dieses Mal hauptsächlich Versorgungen in Lokal- oder Regionalanästhesie durch. War dann und wann dennoch eine zusätzliche Schmerztherapie oder eine Vollnarkose nötig taten Dr. Anca Stauffacher (Leitende Ärztin Anästhesie, Spital Lachen) und Mirjam Steiner (Anästhesiefachfrau, Spital Lachen) ihr Bestes, um unsere Patienten sicher und schmerzfrei durch die Operationen zu bringen. Nicht selten bedeutete dies auch mal stundenlanges "Beuteln" oder "von Hand nachspritzen", da sowohl der Strom für die Beatmungsmaschine, als auch das Geld für Perfusoren fehlte. Mit viel Engagement, Empathie und vor allem mit endloser Ruhe brachten sie den lokalen Anästhesie-Pflegern / -innen die Tipps und Tricks der Anästhesie bei und halfen so manchem Sectio-Kind auf dem Weg ins Leben. Nicht selten waren die Beiden die Letzten, welche den Heimweg antraten - ohne dabei je ihre fast unendlich scheinende positive Energie zu verlieren...!

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Chirurgie

Im Sinne einer Erweiterung unseres Projektes resp. der Ausbildung vor Ort beurteilten wir neu im Rahmen der Morgenvisiten zusammen mit Dr. Benedict Komba, dem Nachfolger von Dr. Martine als Departementsleiter Chirurgie, auch stationäre Patienten. Wir stellten gemeinsam entsprechende Operationsindikationen und konnten auf diese Art und Weise diverse Patienten zusätzlich rekrutieren. Es handelte sich dabei meistens um notfallmässige abdominal Eingriffe / Laparotomien, welche Dr. Nussbaumer den lokalen Kollegen assistierte. Die postoperative Überwachung erfolgte jeweils auf der neuen ICU, was eine deutliche Verbesserung zur regulären Betreuung in den Wards darstellte - obwohl wir auch hier immer wieder mit afrikanischen Stromausfällen, Sauerstoff-Sättigungen < 50% oder fehlenden Überwachungsmöglichkeiten zu kämpfen hatten...! Ebenso beteiligten wir uns an den täglich stattfindenden ambulanten Sprechstunden. Sowohl die bereits vorab gescreenten Patienten, als auch sämtliche chirurgische "walk-in Patienten" wurden entweder durch Dr. Lana Fourie oder Dr. Corine Diefenbacher (Oberärztin Chirurgie, Spital Limmattal) in einer gemeinsamen Sprechstunde mit den lokalen Ärzten beurteilt. Es konnten so Krankheitsbilder besprochen resp. Operationsindikationen gemeinsam gestellt werden. Weitere Gelegenheiten zur Diskussion bot die Zeit nach dem allmorgendlichen Rapport, wo wir jeweils wichtige Themen resp. aktuelle Daten aus den Bereichen der Gynäkologie & Geburtshilfe, Anästhesie und Chirurgie im Rahmen von kurzen Präsentationen vorstellten. Die Präsenszahl am Rapport variierte zwar jeweils stark (...), die Vortragsreihen fanden insgesamt aber dennoch guten Anklang und die daraus resultierenden Gespräche waren jeweils für alle Beteiligte konstruktiv und lehrreich.

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Dr. Fikiri Martine verliess uns in der ersten Woche und reist nach Dar es Salaam, wo er eine dreijährige Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie begann. Diese wurde ihm durch ein Stipendiat der Jürg Ammann Stiftung ermöglicht.

Sterilität

Nichts geht im OP ohne sie - oder doch? Wir staunten in Tansania immer wieder "wie es auch gehen könnte". Obwohl wir uns im Kitete Hospital in einer für afrikanische Verhältnisse relativ sauberen Umgebung befanden, kämpfte Claudia Baur (TOA) täglich mit allen möglichen 4 bis 8 beinigen OP- Besuchern - tot oder lebendig. Mit viel unermüdlichem Engagement und viel Freude brachte sie der tansanischen Pflege das Wort "Sterilität" näher. Die Früchte dieses Einsatzes dürfen wir aber wohl erst in einigen Jahren erwarten...! Nichts desto trotz, die Arbeit von Claudia war vor allem für uns immens wichtig, denn ohne all die erneut aufsterilisierten Sets und Tücher resp. die schnelle" Schangli-Mädchen- für-alles-Hand von Claudia" hätten wir Chirurgen zeitweise auf verlorenem Posten gestanden.

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Unser Team und die Zeit nach den OP´s...

...sie war schön und kurzweilig! Sei es auf der Sightseeing -oder Shopping Tour (...ja, wer Anca Stauffacher kennt weiss, dass sie auch im tiefsten Innersten von Tansania eine unendlich lange Shopping-Tour einlegen kann...), sei es beim spontanen Geburtstagsapéro, beim afrikanischen Essen bei Irene, bei der Abschlussfeier in der Stadt oder ganz einfach bei den allabendlichen Nachtessen - es war toll! Wir hatten zwei super Wochen mit einem tollen Team. Einiges konnten wir vor Ort beeinflussen und verbessern, und dennoch bleibt noch ein langer Weg vor uns.

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...Kitete, wir kommen wieder...!

 

 

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